Java Commercial Support Preisvergleich

Nachdem wir uns in den vergangenen Blog-Artikeln der Serie mit den Lizenzänderungen beschäftigt und unsere Möglichkeiten evaluiert haben, weiterhin kostenlos Java zu benutzen, wollen wir uns nun den kostenpflichtigen Alternativen zu Oracles LTS zuwenden. Was kostet es, sich von einem der anderen Anbieter supporten zu lassen und was hat man davon?

Bereits vor den Java 9 Lizenzänderungen gab es kostenpflichtige Support-Optionen, die vor allem für diejenigen attraktiv waren, die Java kommerziell und für prozesskritische Anwendungen einsetzen. Kern dieser Attraktivität ist, dass ein kommerzieller Support-Vertrag die vergebende Partei dazu verpflichtet, in spezifiziertem Umfang sich den Problemen des Support-Nehmers anzunehmen. Mit Oracles Entscheidung, den Langzeitsupport ihres Oracle JDKs kostenpflichtig zu machen, verändert sich entsprechend auch die Drittanbieterlandschaft für Distributionen. Diese Änderungen wurden bereits in den vorangegangenen Blog-Artikeln dieser Serie ausführlich besprochen. Der erste Artikel beschäftigt sich explizit auch mit Oracles Ansatz und der Preispolitik ihres neuen LTS. Dementsprechend findet sich hier ein guter Einstieg bzw. eine Übersicht zu dem Thema.

Azul (Azul Zulu)

Die erste Alternative, auf die wir hier eingehen wollen, kommt von Azul Systems. Azul bietet mit Azul-Zulu eine eigene Distribution des OpenJDK an. Neben dieser vertreiben sie mit Azul-Zing auch eine eigene Version der JVM.

Azuls kommerzielles Support Modell nennt sich Zulu Enterprise. Alle Zulu Binaries werden mithilfe der Quellen vom OpenJDK Projekt gebaut und sind TCK (Technology Compatibility Kit) konform. Zulu Enterprise Binaries enthalten zusätzliches geistiges Eigentum von Azul. Weiterhin garantiert Azul für zertifizierte Zulu Enterprise Builds eine 100% Open Source Garantie. Das heißt, es gibt garantiert keine Lizenzbindungen, die den Code des Benutzenden betreffen.

Für Zulu werden drei verschiedene Support-Level angeboten. Standard Support umfasst vierteljährliche Releases. Allerdings sind Support-Anfragen auf reguläre Arbeitszeiten beschränkt. Weiterhin können neben Mail oder telefonischen Anfragen nur eine beschränkte Anzahl an Support Tickets erstellt werden. Der Premium Support Status kennzeichnet sich durch den Zugang zu zusätzlichen Azul-eigenen Bug Fixes und Early-Access zu kommenden Releases. Weiterhin hat man mit der Premium-Subscription auch außerhalb der Geschäftszeiten 24/7/365 Anspruch auf Support.

Der Platinum-Level Support beinhaltet eine 48 Stunden SLA für alle kritischen Security Updates, was 5 Tage schneller ist als beim Premium Support (7 Tage) und 13 Tage schneller als beim Standard Support (15 Tage).

Azuls Zulu Enterprise Preismodell bezieht sich auf die Anzahl der supporteten Systeme. Für den Betrieb von physischen oder virtuellen Servern gelten folgende Preise:

Für reinen Desktop/Laptop-Betrieb gelten folgende Preise:

Zusätzlich zu den Zulu-Enterprise Support Optionen, werden auch Support-Alternativen für Embedded Systeme angeboten. Ohne spezifische Preise zu nennen, verspricht Azul hier ein sehr flexibles Preissystem auf Anfrage, das sich den speziellen Gegebenheiten von Embedded Systemen, wie beispielsweise extrem hohen Stückzahlen, gut anpassen soll.

IBM (AdoptOpenJDK)

Der kommerzielle Support von IBM, namentlich IBM Runtimes for Business, bezieht sich auf AdoptOpenJDKs Builds. Auf diesem Blog findet sich ein Beitrag zu AdoptOpenJDK , der sich bereits sehr umfangreich mit der freien LTS-Alternative befasst. IBM ist einer von zwei Anbietern, der die AdoptOpenJDK-Builds auch mit kommerziellem Support unterstützt.

Über den Supportanspruch hinaus hat man mit Runtimes for Business auch Zugang zu zusätzlichen Tools zur Analyse, Monitoring und Management von Java Anwendungen.

Die Preisstufen richten sich nach der Art der Lizenz, der Dauer des Lizenzvertrages und der Anzahl der Lizenzen. In der Lizenzart unterscheidet IBM zwischen pro berechtigtem Benutzer (AU – Authorized User) und pro Virtuellem Prozessorkern (VPC – Virtual Processor Core). Wie bei Azul auch, richtet sich also ein Modell eher an Desktops und das andere eher an Server. Weiterhin kann man für den Abrechnungszeitraum, sowie die Bindung an den Supportvertrag zwischen monatlich und jährlich wählen. Inwiefern sich die Anzahl der Lizenzen auf die Preisbildung auswirkt, ist ohne ein explizites Angebot nicht ersichtlich.

jClarity (AdoptOpenJDK)

Wie IBM auch, bietet jClarity kommerziellen Support für die AdoptOpenJDK Binaries an. Als Co-Founder und Kontributor von AdoptOpenJDK, supporten sie dieses auf einer breiten Basis an Plattformen. Weiterhin umfasst jClaritys Angebot Beratung zu Installation und Performance-Problemen, sowie entsprechendes Tooling.

Zum Support selbst bietet jClarity lediglich die Information, dass sie nicht pro JVM oder Host berechnen, sondern individuelle Preise für Support und Beratung vereinbaren. Die Preise für das Tooling sind hier einsehbar.

BellSoft (BellSoft Liberica JDK)

BellSofts LibericaJDK wird aus den Quellen des OpenJDK Projekts gebaut und von BellSoft frei zur Verfügung gestellt. Der kommerzielle Support von BellSoft teilt sich in zwei Tiers. Das Premium Tier hat im Vergleich zum Standard Tier, wie bei Azul auch, ein 48 Stunden Service Level Agreement für Security-Updates und der Support ist mit Premium auch außerhalb regulärer Geschäftszeiten 24-7 verfügbar. Zusätzlich wird einem im Premiumtier ein fest zugewiesener Support-Engineer zur Verfügung gestellt.

Der Release-Zyklus ist an Oracle und OpenJDK angelehnt. Der Support-Plan von BellSoft ist auf die LTS-Releases ausgelegt, die dann jeweils für mindestens acht Jahre mit Bugfixes, Security-Updates etc. versorgt werden.

Die Preise für den Support bilden sich aus der Anzahl der betriebenen Server und Desktops. Dabei werden immer gleich viele Desktops unterstützt, wie Server gebucht wurden. Auf Anfrage gibt es auch spezielle Modelle für Desktops.

Amazon (Amazon Corretto)

Amazon bietet mit Amazon Corretto ebenfalls eine eigene Distribution an, die auf OpenJDK basiert. Vorwiegend entwickelt und optimiert wird Corretto für den Einsatz in AWS, bzw. in großen Applikationsumgebungen. Die Longterm-Releases 8 und 11 werden jeweils bis 2023 und 2024 kostenlos mit Updates versorgt. Diese umfassen vierteljährliche Performance- und Security-Updates.

Amazon bietet keine spezifischen Support-Pläne für Corretto. Allerdings kann man im Rahmen eines AWS-Supportplans Hilfestellung zum Einsatz von Corretto unter AWS einfordern. In einem bereits vorhandenen AWS Supportplan ist der Support für Corretto auf gleichem Level enthalten, wie andere AWS Dienste. Angebote für AWS-Pläne sind auf Anfrage verfügbar. Die Preise fangen bei ca. 60$ für Entwickler an. Sie befinden sich bei 6150$ für Unternehmen mit AWS-Kosten von ca. 80.000$. Unternehmen mit über 1.2 Millionen AWS-Kosten müssen bereits mit 70.500$ rechnen.

Red Hat (OpenJDK)

Red Hat distribuiert ebenfalls Builds von OpenJDK. Weiterhin unterstützen sie den frei zugänglichen Lebenszyklus der OpenJDK Releases mit Updates. Über das Ende des festgelegten Lebenszyklus und über die öffentlich zugänglichen Updates hinaus, bietet Red Hat aber auch kommerziellen Support an.

Unterschieden werden die Supportpläne zunächst nach Plattform. Lizenzen für RedHats Linux Distribution werden über ein Red Hat Enterprise Linux Abonnement bereitgestellt. Lizenzen für Windows bekommt man über ein OpenJDK Abonnement für Windows. Für Windows Systeme auf RedHat-Middleware bekommt man auch über ein spezielles Middleware Abonnement Lizenzen.

Ein weiterer Entscheidungsfaktor für den Supportplan ist die Art der Verwendung des JDKs. Für den Einsatz von OpenJDK in der Entwicklung gelten andere Bedingungen, wie für den Einsatz in Produktion.

In allen Plänen gibt es in jedem Fall zwei Tiers. Die Tiers unterscheiden sich hauptsächlich in der Menge an beanspruchbarer Zeit für Supportanfragen. Details können auf den entsprechenden Infoseiten für Entwicklungssupport un Produktionssupport nachgelesen werden. Zu den Preisen werden keine öffentlichen Angaben gemacht.

Die aktuellen Entwicklungen des Zusammenschlusses mit IBM sollen sich laut Red Hat nicht auf den angebotenen Support auswirken.

JavaFX / OpenJFX

Mit dem Entfernen von JavaFX aus dem JDK, ist dieses API auch von den kommerziellen Support-Plänen der einzelnen Distributionen ausgeschlossen. Wer also LTS für JavaFX haben möchte, muss sich an andere Anbieter wenden. Gluon bietet beispielsweise LTS für JavaFX 11.

Java WebStart

Ähnliche Gegebenheiten finden sich bei Java WebStart, das ebenfalls aus dem Oracle-JDK entfernt wurde. IcedTea-Web ist eine der existierenden Alternativen. AdoptOpenJDK wird wohl auch in Zukunft Binaries mit IcedTea-Web supporten. Auch IBM und Red Hats Distributionen unterstützen IcedTea-Web.

Vorbehalte gegenüber den Preisangaben

Um genaue Preisangaben für deinen Support zu bekommen, muss in den meisten Fällen eine direkte Anfrage an das Team des jeweiligen Anbieters gestellt werden, da die angegebenen Zahlen (sofern vorhanden) stets hauptsächlich als Verhandlungsgrundlage zu verstehen sind. Angebote können ggf. stark von den öffentlich verfügbaren Zahlen abweichen, je nach Größe, Umsatz oder Einfluss des Unternehmens. Weiterhin sind die angegebenen Preise in USD und der Einheitlichkeit halber für den amerikanischen Markt. Regionale Abweichungen sowie eventuell anwendbare Steuern sind zu beachten.

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