Das Neo2 Tastaturlayout

In diesem Blog-Post geht es um Produktivität. Genauer gesagt um Entwicklerproduktivität. Das wichtigste Werkzeug für uns SoftwareentwicklerInnen ist die Tastatur. Wir benutzen die Tastatur praktisch den ganzen Tag. Es soll sogar SoftwareentwicklerInnen geben, die neben ihrer Arbeit im Büro am Feierabend und Wochenende noch Software aus Spaß an der Freude schreiben. Die Tastatur ist sozusagen die Maurerkelle der Softwarebranche.

Wenn man ein so wichtiges Werkzeug für seine Arbeit hat, dann gibt es hier natürlich ein großes Potenzial, Produktivität dazuzugewinnen — oder auch zu verlieren, je nachdem wie man sich anstellt. Ein entscheidender Punkt bei der Entwicklung von Software ist das verwendete Tastaturlayout. Die mögliche Tippgeschwindigkeit hängt immer auch zu einem gewissen Grad mit dem verwendeten Tastaturlayout zusammen. Je umständlicher wir bestimmte Zeichen eintippen müssen, desto mehr Zeit brauchen wir dafür. Auch wenn das pro Zeichen jeweils nur den Bruchteil einer Sekunde ausmacht, summiert sich das über die Zeit hinweg auf.

QWERTZ

Besonders schwer haben wir es bei der Entwicklung von Software mit unserer deutschen Tastaturbelegung. Wichtige Tasten, wie alle Arten von Klammern (insbesondere die geschweiften und die spitzen) sind maximal ungünstig belegt. Auch der Backslash entzieht sich in seiner Schmollecke dem einfachen Zugriff der Finger. Ein großes Problem bei diesen Zeichen ist, dass man seine Fingergrundstellung auf der Tastatur verlassen muss, um sie zu erreichen. Dieser ständige Wechsel zwischen Grundstellung und Sonderzeichentippposition kostet Zeit, viel Zeit. Übrigens hat man den gleichen Effekt auch beim Verwenden der Pfeil- und Löschtasten (ich will gar nicht von der Positionierung dieser Tasten auf manchen Notebook-Tastaturen anfangen…).

Lösung QUERTY?

Viele EntwicklerInnen schwören deshalb auf eine englische Tastaturbelegung. Hier liegen viele Sonderzeichen nicht so verquer auf der Tastatur wie bei einer deutschen Belegung. Die verschiedenen Klammern sind entweder direkt oder mithilfe der Shift-Taste zu erreichen, auch wenn man zum Teil seine Finger überstrecken muss, um die Ziffernreihe mit den Sonderzeichen zu erreichen.

Man kann sich also entweder eine physische, englische Tastatur zulegen, wenn man die Tastenbeschriftung zum Spicken braucht, oder einfach ein zweites Tastaturlayout im Betriebssystem einstellen.

Ist das also der gewünschte Produktivitätsbooster, den man zum Programmieren braucht?

Das ist zumindest fraglich. Die Verwendung einer englischen Tastaturbelegung hat auch Nachteile. So muss man immer zwischen englischer und deutscher Belegung hin- und herschalten, wenn man zwischen der Programmierung und dem Schreiben deutscher Texte wechselt. Außerdem muss man dann auch immer umdenken, da die Buchstaben Y und Z vertauscht sind und auch andere häufig genutzte Satzzeichen (Fragezeichen, Anführungszeichen, etc.) an unterschiedlichen Stellen zu finden sind. Außerdem sind selbst auf einer englischen Tastatur nicht alle Sonderzeichen optimal angeordnet.

Welche Alternative gibt es also?

Das Neo2 Tastaturlayout

Neben den üblichen Standardlayouts gibt es eine ganze Reihe von alternativen Tastenbelegungen, wie z. B. die aus den 1930er Jahren stammende Dvorak-Tastaturbelegung. Das Ziel dieser alternativen Layouts ist es, ein weniger ermüdendes und schnelleres Tippen zu ermöglichen, als es mit dem auf mechanische Schreibmaschinen ausgelegte QWERTY-Design möglich ist. Dazu werden Buchstaben, die in einer Sprache häufiger getippt werden, auf leichter zu erreichende Tasten gelegt. So liegen zum Beispiel die Vokale bei der deutschen Dvorak-Belegung auf der Grundlinie und können ohne Fingerstreckung erreicht werden.

Ein solches alternatives Tastaturlayout nützt uns SoftwareentwicklerInnen allerdings nichts, wenn dort die Sonderzeichen genauso ungünstig angeordnet sind, wie auf einer QUERTY-Tastatur.

Ich möchte daher das alternative Tastaturlayout Neo2 vorstellen, das speziell für deutschsprachige Nutzer ausgelegt ist. Zudem ist es für SoftwareentwicklerInnen besonders gut geeignet, da es an den oben beschriebenen Problemen nicht leidet.

Was ist das Besondere an Neo2? Genau wie alle anderen alternativen Tastaturlayouts ordnet Neo2 die in der deutschen Sprache häufig benutzten Buchstaben möglichst optimal an. Auch hier können z. B. alle Vokale mit der linken Hand auf der Grundlinie erreicht werden. Der wichtigste Vorteil ist aber, dass das Tastaturlayout in sechs Ebenen aufgeteilt ist, die man über verschiedene Umschalttasten (Modifier Keys) erreicht. Über diese Ebenen kann man Sonderzeichen, mathematische Symbole, griechische Buchstaben und Cursorsteuerungskommandos eingeben. Die wichtigsten Zeichen liegen dabei alle auf den Haupttasten. Auf den Zifferntasten liegen nur obskure Symbole, wie z. B. das Paragraphenzeichen § oder französische Anführungszeichen («Guillemets français»).

Die dritte Ebene mit den für die Programmierung wichtigen Sonderzeichen erreicht man über die Umschalttasten Caps Lock (auf der linken Seite) und # (auf der rechten Seite). Richtig gelesen, die Gartenzauntaste # ist bei Neo2 eine Umschalttaste wie Shift oder Alt. Das Zeichen # erreicht man mit Neo2 über die Tastenkombination # + y. Die für die Programmierung so wichtigen Symbole { und } erreicht man mit # + d bzw. # + f. Das ist wesentlich einfacher zu tippen, als AltGr + 7 und AltGr + 0.

Sehr wichtig ist auch die vierte Ebene, mit deren Tasten man den Textcursor steuern kann, ohne mit der Hand zu den Pfeiltasten greifen zu müssen. Diese Ebene erreicht man mit AltGr bzw. mit der Umschalttaste > (< und > kann man mit # + u bzw. # + i eintippen). Zum Beispiel kann man mit AltGr + a an den Anfang der aktuellen Zeile springen, mit AltGr + g ans Ende der Zeile und mit AltGr + w spare ich mir den Griff zur Backspace-Taste. Diese Steuertasten sind nicht nur auf engen Notebook-Tastaturen sehr praktisch, sondern helfen auch dabei, ein Verlassen der Grundstellung beim Tippen zu vermeiden. Wenn man sich einmal an dieses Konzept gewöhnt hat, findet man ein Standard-QUERTZ-Layout nur noch störend.

Die genaue Belegung der Neo2-Ebenen kann man sich auf der Neo2-Homepage anschauen oder zum Ausdrucken herunterladen.

Muss ich mich jetzt umgewöhnen?

Nein. Das Gute an Neo2 ist, dass man nicht gezwungen wird, die neue Buchstabenbelegung zu lernen. Man kann mit dem Tastaturtreiber von Neo2 auch die QWERTZ-Belegungsvariante einschalten (mit Caps Lock + F6) und profitiert dann von den zusätzlichen Ebenen (das funktioniert zumindest mit dem Windows-Treiber) kann aber wie gewohnt Texte tippen. Es kann aber nicht schaden, sich auch an die optimierte Buchstabenbelegung zu gewöhnen und dadurch eine höhere Tippgeschwindigkeit zu erlangen (das steht aber auch noch auf meiner persönlichen Todo-Liste…). Erleichtern kann man sich die Umgewöhnung, wenn man sich einen Bogen Tastaturaufkleber kauft, mit denen man sich die Neo2-Belegung auf seine QUERTZ-Tastatur klebt.

Das Umlernen von QUERTZ nach Neo2 setzt natürlich voraus, dass man mit dem Zehnfingersystem tippt und nicht mit dem Adlersuchsystem (kreisen und zustoßen) oder einem anderen suboptimalen persönlichen Tippsystem, bei dem man ständig auf die Tastatur gucken muss, um die richtigen Tasten zu treffen. Aber das tun wir ja sicherlich sowieso alle, da die Tastatur für uns SoftwareentwicklerInnen ja immerhin das wichtigste berufliche Werkzeug ist, das wir auch korrekt bedienen können, nicht wahr?

Nachteile

Ich arbeite schon seit vielen Jahren erfolgreich mit dem Neo2-Tastaturlayout und bin sehr zufrieden, vor allem was die Softwareentwicklung angeht. Dabei gibt es aber auch negative Punkte, die mir aufgefallen sind und die man kennen sollte. Ein Punkt ist natürlich, dass man etwas Mühe aufwenden muss, wenn man sich komplett für die Tastenbelegung von Neo2 umgewöhnen möchte (was man aber wie gesagt nicht muss und was ich selbst bisher auch noch nicht geschafft habe).

Dann ist es problematisch, wenn man an einem Rechner arbeiten muss, auf dem Neo2 nicht verfügbar ist (z. B. wenn man kurz was bei einem Kollegen tippen will) und man dann plötzlich Zeichensalat tippt (gern gesehen ist immer wieder wenn man eigentlich einen Doppelpunkt eingeben wollte). Das ist natürlich besonders gravierend, wenn man sich an die komplette Buchstabenbelegung von Neo2 gewöhnt hat, da man dieses Problem dann nicht nur bei Sonderzeichen, sondern auch mit allen Buchstaben hat. Wenn man dauerhaft an fremden Rechnern arbeitet, gibt es dafür aber auch eine Lösung, da man den Neo2 Tastaturtreiber auch als Portable-Version auf einem USB-Stick immer bei sich haben kann.

Ein weiteres Problem ist der umgekehrte Fall, wenn eine Kollegin an meinem Rechner etwas tippen will. Dann muss man immer erst daran denken, den Neo2-Tastaturtreiber zu deaktivieren, da sonst die Kollegin Zeichensalat tippt (besonders unangenehm bei Passwörtern).

Zu guter Letzt muss man darauf achten, dass Neo2 (zumindest wenn man den Portable-Treiber verwendet) nicht an jeder Stelle aktiv ist. Zum Beispiel ist der Treiber noch nicht auf dem Windows-Anmeldedialog aktiv, was man beachten muss, wenn man Sonderzeichen in seinem Windows-Passwort benutzt. Diese liegen dann natürlich anders, als man es gewohnt ist.

Installation und Lizenz

Das Neo2 Tastaturlayout ist unter eine Open Source Lizenz gestellt und kann somit frei von jedermann benutzt werden. Für Linux ist der entsprechende Treiber in den meisten Distributionen von Haus aus enthalten. Für Windows kann man sich auf der Neo2-Homepage den freien Treiber herunterladen. Aber auch für MacOS, Android und sogar den C64 gibt es Treiber.

Fazit

Wer jetzt Lust bekommen hat, Programmcode zukünftig ganz ohne verkrampfte Finger und ohne ständige Vertipper zu schreiben, sollte zu https://neo-layout.org/ gehen, sich die ersten vier Ebenen der Tastaturbelegung ausdrucken und sich bei Bedarf (unter Windows) den Treiber herunterladen, am besten den Portable-Treiber. Ich kann es nur wärmstens empfehlen. Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase möchte man nicht mehr anders arbeiten.

Short URL for this post: https://wp.me/p4nxik-2Zo
Roland Krüger

About Roland Krüger

Software Engineer at Orientation in Objects GmbH. Find me on Google+, follow me on Twitter.
This entry was posted in Did you know? and tagged , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply